Im Permafrost bei Longyearbyen auf Spitzbergen lagern unbezahlbare Schätze: Im „Global Seed Vault“ wird Saatgut aus der ganzen Welt gespeichert. Hier sollen die Samen Katastrophen jeglicher Art überstehen. Der Saatgutspeicher ist ein wahrer Tresor und als solcher nicht für jedermann zugänglich. Gerade bei Reisenden existiert aber das Bedürfnis, mehr über den Speicher zu erfahren. Genau dazu ist „The Arc“ vorgesehen.

the arc 1 Das monolithische Ausstellungsgebäude soll den Eindruck erwecken durch Erosion geformt worden zu sein. (Bild: Snøhetta)

Das vom renommierten Architekturbüro Snøhetta zum Saatgutspeicher entworfene Besucherzentrum soll 2022 eröffnet werden. Der Name „The Arc“ bezieht sich sowohl auf den Standort in der Arktis als auch auf die Funktion als Archiv und Weltgedächtnis.

Neben Informationen über den Saatgutspeicher und die darin beschützten Samen werden auch Teile des Datenspeichers „Arctic World Archive“ ausgestellt. Dieser bewahrt das digitale Erbe der Menschheit und befindet sich unweit des Saatgutspeichers im Schacht einer stillgelegten Kohlemine. Neben Software sind hier Kopien von bedeutenden Kulturgütern archiviert. Unter anderem werden daraus in „The Arc“ Kunst von Edvard Munch, 1500 Jahre alte Manuskripte aus dem Vatikan oder auch Aufnahmen der brasilianischen Fussballerlegende Pelé präsentiert.

Das Besucherzentrum wird dem Publikum auch Einblicke geben, wie sich die Geologie des Spitzbergen-Archipels über Millionen von Jahren verändert hat.

„The Arc“ besteht aus zwei getrennten Elementen, die sich in Form und Material unterscheiden. Das Eingangsgebäude ist ein Quader, der mit Holz und dunklem Glas verkleidet ist. Damit der darunter liegende Permafrostboden nicht taut, steht dieses Gebäude auf Pfählen. Auf dem Dach sind Solarpanels zur Gewinnung von Sonnenenergie vorgesehen. Der Zugang zur Ausstellung erfolgt über eine Glasbrücke. Das fast ausserirdisch-anmutende Ausstellungsgebäude türmt wie ein riesiger weiss getünchter Bienenstock in der eisigen Landschaft. Im Innern des hohen Gewölbes befindet sich die interaktive Ausstellung. Projektionen an den Wänden sind mit Touchscreens, VR und anderen physischen und digitalen Erzähl-Formaten kombiniert. Die Temperatur im Innern der Ausstellung wird konstant bei 4°C liegen. Zusammen mit einer nur schwachen Beleuchtung soll dies das Gefühl erzeugen, dass man sich tatsächlich in einem der Original-Speicher befindet.

the arc 2 Der Baum im Zeremoniensaal ist ein Zeugnis aus der Vergangenheit und Aufruf zum Handeln für die Zukunft. (Bild: Snøhetta)

Das Herzstück der Ausstellung ist der sakral anmutende „Zeremoniensaal“. Im Zentrum dieses Auditoriums soll ein grosser Laubbaum zum Nachdenken anregen. Vor 56 Millionen war die Temperatur auf Spitzbergen um fünf bis acht Grad Celsius höher. Es gediehen Ulme, Birke, Limette, Kastanie und andere Arten. Falls sich das Klima weiter erwärmt könnte schon innerhalb von nur 150 bis 200 Jahren wieder ein Wald auf Spitzbergen wachsen.

Quelle: Snøhetta